Welterbe Pfahlbauten

Unfriedshausen: Welterbestätte DE-BY-02

Gemeinde Geltendorf, Landkreis Landsberg am Lech

Die Fundstelle

Fundstelle Unfriedshausen.
Fundstelle Unfriedshausen.

Unfriedshausen befindet sich in der vermoorten Talaue des Loosbaches in der Nähe von Landsberg am Lech im westlichen Oberbayern. Die Fundstelle liegt unmittelbar östlich des 1934 begradigten Bachbetts in ca. 50 m Entfernung zum Talrand auf Almboden und zeigt feuchtbodenspezifische Erhaltungsbedingungen. 1986 entdeckte man bei der Verlegung einer NATO-Pipeline Holzbefunde einer altheimzeitlichen Siedlung, die als Unfriedshausen-West bezeichnet wird. Zwischen 1994 und 1999 konnte sie nahezu vollständig durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ergraben werden. Bei Sondagen in den Jahre 1999 bis 2002 fand man einige Meter südöstlich des bekannten Dorfes eine synchrone, über einen Knüppeldamm erreichbare Schwestersiedlung. Diese erhielt den Namen Unfriedshausen-Ost und liegt als Forschungsreserve dauerhaft konserviert im Grundwasser.

Besiedlungsphasen

Unfriedshausen-West und -Ost waren mehrphasige, von Flechtwerkzäunen umfriedete Siedlungen. In beiden Dörfern konnten insgesamt drei übereinander liegende Bauphasen identifiziert werden. Bis zu zwölf Kleinhäuser flankierten in zwei bzw. drei Zeilen einen Hauptweg, der in den späteren Bauphasen als ca. 2 m breiter Bohlenweg ausgeführt wurde. Alle Gebäude waren als zweigeteilte Wohnstallhäuser in Pfostenbauweise mit Dachfirst konstruiert und besaßen einen zweilagigen, hölzernen Hausboden samt Estrich. Haus- und Dorfarchitektur stimmen weitgehend mit dem Erscheinungsbild der ebenfalls altheimzeitlichen Nachbarsiedlung von Pestenacker (DE-BY-01) überein. Sekundär verbaute Althölzer des 38. und 37. Jh. v. Chr. aus der frühesten Siedlungsphase von Unfriedshausen-Ost belegen, dass im Umfeld der Fundstelle noch weitere, ältere Dörfer der Altheimer Kultur bestanden haben müssen. Offensichtlich wurde das Loosbachtal über einen längeren Zeitraum hinweg als jungneolithische Siedelkammer genutzt. Vermutlich waren die Dörfer von Unfriedshausen Vorgänger des rund 500 m nordwestlich gelegenen Siedelareals von Pestenacker. Dessen Gründungsdatum ist nur um einige Jahre jünger anzusetzen.

Luftbildaufnahme der Fundstelle Unfriedshausen-West, 1995.
Luftbildaufnahme der Fundstelle Unfriedshausen-West, 1995.
Luftbildaufnahme der Fundstelle Unfriedshausen-West, 1995.
Die jungneolithischen Hausfundamente der Siedlung von Unfriedshausen-Ost wähernd der Ausgrabungsarbeiten der Jahre 2002 bis 2004.

Schutz der Welterbestätte

Als unbewegliches Bodendenkmal ist die Fundstelle Unfriedshausen durch das Bayerische Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) rechtsverbindlich geschützt. Die Pufferzone wird dabei als archäologisches Vermutungsgebiet und Nähebereich eines Bodendenkmals interpretiert. Durch die Lage der Fundstelle in einem Feuchtbiotop gilt zudem das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG). Große Teile der Kernzone bilden ein Vogelschutzgebiet und werden dementsprechend als Gebiet von besonderer Bedeutung (SPA) gemäß der Richtlinie 79/409/EWG des Europäischen Rates (EU-Vogelschutzrichtlinie) behandelt. Das Monitoring der Fundstelle erfolgt durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Zeitstellung Jungneolithikum (Altheimer Kultur)
Daten Dendrodaten: 3813 v. Chr., 3760 v. Chr., 3670 C. Chr., 3537 v. Chr.,
3535 v. Chr., 3532-3519 v. Chr., 3525-3517 v. Chr.
Fläche Kernzone 0,79 ha
mit Pufferzone: 7,69 ha
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