Aktuelles

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG

1. Juni 2018


Nr.: 194/2018

Sperrfrist: 3. Juni 2018, 17:00 Uhr




 

In diesem Jahr fand anlässlich des nationalen Welterbetages am Sonntag, den 3. Juni 2018, eine Veranstaltung am Schreckensee statt. Hiermit wird dem seriellen Charakter der Welterbestätte Rechnung getragen.

 

Der nationale UNESCO-Tag, der deutschlandweit jedes Jahr am ersten Sonntag im Juni begangen wird, ist der Anlass, das nicht sichtbare Welterbe sichtbar zu machen. In diesem Jahr fanden Veranstaltungen rund um die Pfahlbaufundstelle auf der Halbinsel im Schreckensee, Gemeinde Wolpertswende-Vorsee, Kreis Ravensburg, statt.

 

Am 3. Juni 2018 wurde der aktuelle Stand zu den Auswertungen der Grabungen am Schreckensee erstmals vorgestellt. Zudem wurden an diesem Tag Fragen zum UNESCO-Welterbe beantwortet.

 

Bronzegießer haben anschaulich gezeigt, wie Bronze mithilfe nachgebauter Schreckensee-Tiegel gegossen werden kann und der Schreckensee ein frühes Zentrum technischer Innovationen war. Zahlreiche Besucher haben die interessanten Angebote genutzt und sich über den neuesten Forschungsstand und die UNESCO informiert. 

Neben den Angeboten des Bauerngartens für Kinder fand auch das steinzeitliche Angebot mit Zwirnen und Fotos mit Mantel und Hut von Ötzi reges Interesse.

 

Hierbei handelte es sich um eine Veranstaltung des Pfahlbauten-Informationszentrums Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Bauerngarten Vorsee sowie den Gästeführern Fronreute-Wolpertswende.

 

Hinweise für die Pressevertreter:

Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartnerin Saskia Becker, Pressereferentin im Regierungspräsidium Stuttgart, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung. 

 

Anlagen:

Nachweis:
1-5: LAD
6: T. Frommer

 

 

Hintergrundinformationen:

Die Welterbestätte Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen ist seit 2011 auf der UNESCO-Welterbeliste verzeichnet. Mit der Eintragung dieser seriellen transnationalen Welterbestätte wurde erstmals Kulturgut unter Wasser in die Liste des Erbes der Menschheit aufgenommen. Von den rund 1.000 bekannten Pfahlbaufundstellen rund um die Alpen wurden 111 Fundstätten nominell in der Welterbeliste eingetragen. Neben der Schweiz als Antragsteller sind Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und Deutschland mit den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg beteiligt. 

 

In Baden-Württemberg liegen 15 Fundstätten. Am deutschen Bodenseeufer liegen neun Seeufersiedlungen in der Flachwasserzone, in Mooren und Kleinseen Oberschwabens sind es fünf Fundstellen, die nördlichste Feuchtbodensiedlung Baden-Württembergs liegt westlich von Ulm im Tal der Blau. Alle Fundstellen sind obertägig nicht sichtbar! Der Schreckensee nimmt eine Mittlerrolle zwischen Bodensee und dem oberschwäbischen Federsee ein. Er liegt direkt an der Bundesstrasse 32 zwischen Bad Saulgau und Ravensburg, zwischen den Ortschaften Vorsee und Schreckensee. 

 

Die Pfahlbausiedlung auf der Halbinsel im Schreckensee wurde bereits 1921 von Heinrich Forschner, dem bekannten Biberacher Zahnarzt und Archäologen entdeckt. Im Juli machte Forschner erste Funde, die ihn veranlassten, im September eine kleine Sondage durchzuführen und der Fundstelle den bis heute gültigen Namen zu verleihen: 

Heinrich Forschner an das Landesamt für Denkmalpflege am 25. September 1921: „Am letzten Sonntag war ich am Schreckensee u. habe auf der Halbinsel, in der Mitte auf dem höchsten Punkte ein kleines Probeloch von 50 cm² gegraben. In einer Tiefe von 40 cm kam eine Kulturschicht von 30 cm mit Scherben u. Knochen, ebenso ein senkrechter eichener Pfahl, darunter folgt die Seekreide mit Süsswasserschnecken (Lymnaeen etc.). Ich besuchte dann den Besitzer in Vorsee, welcher mir sagte, dass er schon öfters eichene Pfahle von 2 m Länge, die ihn beim Mähen störten, mit der Winde herausgezogen habe. Früher sei die Halbinsel eine Insel gewesen; sein Vater habe jedoch den Wassergraben aufgefüllt. Es besteht also kein Zweifel, dass hier ein, den Scherben nach, steinzeitlicher Bau stand. Ich möchte ihn „Schreckensee“ taufen.

 

Später konnte die genaue Lage der Siedlung nicht mehr festgestellt werden, das vielfältige chronologisch uneinheitliche Fundmaterial ließ zudem Zweifel an den Beobachtungen und Berichten Forschners aufkommen. 1979 führte das Landesdenkmalamt unter Leitung von Helmut Schlichtherle erneut Sondagen durch, die zu den Geländeunternehmung des Projektes Bodensee-Oberschwaben zur systematischen Erfassung der Seeufersiedlungen am Bodensee wie der Moorsiedlungen in Oberschwaben gehörte. Die Beobachtungen Forschners wurden bestätigt. Neue Keramikfunde und ein Gußtiegel belegen den Einfluss der in der Nordost Schweiz beheimateten Pfyner Kultur über den Bodensee hinaus nach Oberschwaben. Gußtiegel markieren den Beginn der Verarbeitung von Bronze, einer völlig neuen Technologie.

 

 

 

    UNESCO WELTERBE PFAHLBAUTENSeitenclaim Landesdenkmalpflege Baden-WürttembergLogo PfahlbautenLogo Bayrisches Landesamt für DenkmalpflegeLogo Welterbe Pfahlbauten