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Unteruhldingen-Stollenwiesen

Die Tauchsondagen im Februar / März 2018 waren in Anbetracht des hohen Winter-Wasserstandesbrachten auf die landseitigen Pfahlfeldbereiche konzentriert. Am landseitigen Pfahlfeldrand konnte eine bis dato im südlichen Bereich unbekannte Eschenpfahlreihe dokumentiert werden; mutmaßlich handelt es sich um die tiefer gegründeten Reste der inneren landseitigen Palisade. 

 

Im Bereich der Innenbebauung ließen sich im Anschluss an die Flächen der Jahre 2016 und 2017 die Eichenpfahlreihen weiterverfolgen, die uferparallel orientierte, meist auf 4 Pfahlreihen errichtete (3-schiffige) Gebäude anzeigen. Demnach dünnt das Pfahlfeld hier bereits 10 m vor der inneren Palisade aus. Wie die nur noch 10 bis 15 cm lang erhaltenen Pfähle zeigen, dürfte das Pfahlfeld hier erosionsbedingt fehlen.

 

Die Beobachtung des seeseitigen Palisadenbereiches wurde fortgesetzt. Hier sind Kamberkrebse nach wie vor virulent und destabilisieren durch ihre flach in die Seekreide gegrabenen Baue den Seegrund. Mulden und Rinnen, die neue Angriffsflächen im Wellenschlag bilden, sind die Folge.

 

In diesem Jahr auffallend ist der dichte Dreikantmuschelbesatz (Dreissena polymorpha). Die Anfang der1960er Jahre eingeschleppte Muschelart breitet sich seitdem aus und ist an sämtlichen Uferabschnitten des Bodensees in großer Zahl vorhanden. 

 

Neu in diesem Jahr ist nun der sowohl in Unteruhldingen als auch in Maurach festgestellte, überaus dichte Besatz der Pfähle aber auch des Seegrundes in Tiefen zwischen 1,5 und 2,5 m. Vor allem fällt aber auf, dass die im Winter normalerweise geschlossenen Muscheln aktiv mit ihren schlauchförmigen Organen am filtrieren – also am Nahrung aufnehmen - sind. 

 

Die Ursache der explosionsartigen Ausbreitung in den beobachteten Stationen könnte im Ausbleiben entsprechender Tauchenten liegen, die sich im Winter am Bodensee zu tausenden einfinden und u. a. von Dreikantmuscheln ernähren. Kolbenenten stiegen gar von vegetarischer auf zoophage Ernährung um. 

Die Auswirkungen auf die Palisadenpfähle sind ungewiss. Durch die stark vergrößerte Oberfläche könnte der Wellendruck auf die Pfähle sich vervielfachen. Sicher destabilisierend und erosionsfördernd wirken die Kamberkrebsbaue im äußeren Palisadenbereich.

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